Damit kein Gras drüber wächst

Mit dem Projekt „Damit kein Gras drüber wächst“ wollen wir jungen Menschen die Möglichkeit geben, sich mit geschichtlich-politischen Themen des Nationalsozialismus in ihrer Region auseinanderzusetzen. Und zwar genau an den Orten, wo sich diese Geschichte ereignet hat. Zu diesem Zweck werden in Kooperation mit der „Initiative Neue Bremm“ und dem „Historischen Museum Saar“ Workshops, Projekttage und Workcamps angeboten, bei denen sich junge Heranwachsende direkt an den Erinnerungsorten intensiv mit der Entstehung und Folgen von Diktatur und Machtherrschaft befassen können. Mit Methoden der außerschulischen Jugendarbeit beschäftigen sich die Jugendlichen dabei nicht nur mit historischen Fragestellungen, sondern auch mit daran anknüpfenden aktuellen Debatten, beispielsweise über Menschenrechte, Demokratie und Diskriminierung.

Bildungsformate

Mit unseren Bildungsangeboten wollen wir eine aktiv-partizipative Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus und der Erinnerungskultur fördern. Aus diesem Grund setzen wir auf Methoden der außerschulischen Jugendarbeit, die eine nachhaltige und mehrkanalige Beschäftigung mit der Thematik ermöglichen und ausreichend Raum und Zeit zum Nachdenken und Verarbeiten lassen. Zudem legen wir Wert auf die Freiwilligkeit der Teilnahme.

„Buddeln und Bilden“

Interregionales Workcamp an der Gedenkstätte „Gestapo-Lager Neue Bremm“

Unter dem Motto „Buddeln und Bilden“ pflegen seit Jahrzehnten junge Menschen ab zehn Jahre die Gedenkstätte des ehemaligen Gestapo-Lagers "Neue Bremm" in Saarbrücken. An den einzelnen Barackenstandorten der Gefangenen können die Teilnehmer*innen einen Eindruck davon bekommen, was es hieß, damals von den Nazis verfolgt zu werden. Dabei unterstützt eine studentische Projektgruppe der Universität Trier das Camp. Die Studierenden des Fachs Geschichte haben ein Konzept erarbeitet, wie die Geschichte des Ortes während des Workcamps anschaulich vermittelt werden kann. Sie stehen als „Scouts“ den gesamten Tag für Fragen und Diskussionen zur Verfügung. Darüber hinaus bieten sie an multimedialen Stationen die Möglichkeit, die Geschichte des Lagers aktiv zu entdecken. Ein Expertengespräch mit Horst Bernard und Filmvorführungen runden das Programm ab. Seit 2018 wird das Workcamp auch interregional angeboten und wir freuen uns über Teilnehmende aus den Nachbarregionen in Frankreich und Luxemburg.

Dieses Jahr findet das Workcamp am 09. Mai 2020 von 10-17 Uhr statt.

Mindestalter: 10 Jahre

Teilnahmekosten entstehen keine. Für Kosten und Organisation der Anfahrt kommt die Schule bzw. die Jugendorganisation auf.

Mitmachen kann Jede und Jeder ab 10 Jahren aus der Großregion Saar-Lor-Lux sowie dem benachbarten Rheinland-Pfalz. Anmelden könnt ihr euch jederzeit per Mail an denneler(at)landesjugendring-saar.de

Projekttage und Workshops

Im Laufe des Jahres wollen wir gemeinsam mit den Kooperations- und Bildungspartnern in der Region Projekttage und Workshops entwickeln. Geplant sind neben ganz- und mehrtägigen Formaten, die beispielsweise im Rahmen von schulischen Projektwochen durchgeführt werden können, auch zweistündige Workshops zu spezielleren Themen.

Zielgruppen:

-          Schüler*innen aller Schulformen

-          Teilnehmende der Kinder- und Jugendarbeit

-          Besucher*innen der Gedenkstätte sowie des Historischen Museums

Zwischen 13 und 21 Jahren aus dem Saarland sowie den benachbarten Ländern der Großregion (Rheinland-Pfalz, Frankreich, Luxemburg und Belgien).

Die spezifischen Inhalte und Methoden können im Vorfeld mit der Schule bzw. Jugendorganisation besprochen werden. Mögliche Termine werden mit dem Träger abgesprochen. Teilnahmekosten entstehen keine. Für Kosten und Organisation der Anfahrt kommt die Schule bzw. die Jugendorganisation auf.

Bei Interesse könnt ihr euch gerne an die Projektkoordination wenden: denneler@landesjugendring-saar.de

Bildungsorte und Kooperationspartner

Um an die Lebenswelt der Jugendlichen anzuknüpfen, ist es uns wichtig zu zeigen, dass die NS-Verbrechen nicht nur an den bekannten Schreckensorten in Europa begangen wurden, sondern auch hier in unserer Region, sozusagen direkt vor unserer Haustüre. Zudem wird die Geschichte durch die Durchführung der Bildungsangebote an konkreten Orten der Geschichte greifbar und leichter nachvollziehbar. Deshalb legen wir Wert darauf, dass die Bildungsangebote direkt an den Erinnerungsorten durchgeführt werden und freuen uns, dass wir die Initiative Neue Bremm sowie das Historische Museum Saar hierfür als Kooperationspartner gewinnen konnten.

Gedenkstätte „Gestapo-Lager Neue Bremm“

„Die Neue Bremm war ein schreckliches Lager. In den anderen Lagern kam der Tod langsam, aber in Saarbrücken kam er schnell.“ (Aussage des ehemaligen Häftlings Louis François)

Von Anfang 1943 bis Ende 1944 nutzte die Gestapo in Saarbrücken wegen der Überfüllung der normalen Gefängnisse ein Barackenlager auf der Neuen Bremm als „erweitertes Polizeigefängnis“. Das Gestapo-Lager Neue Bremm bestand aus einem Männer- und einem Ende 1943 erbauten Frauenlager, die durch einen öffentlich nutzbaren Weg voneinander abgetrennt waren. Ursprünglich war das Lager dazu gedacht, verhaftete Frauen und Männer innerhalb kurzer Zeit zu „disziplinieren“ und nach wenigen Wochen wieder zu entlassen. Viele der Häftlinge blieben jedoch weitaus länger im Lager und wurden dort Opfer von unbeschreiblicher Gewalt. Insgesamt 20.000 Menschen wurden in der kurzen Zeit inhaftiert, teilweise 600 bis 800 Häftlinge zur selben Zeit. Auch wenn es sich beim Lager auf der Neuen Bremm nicht um ein KZ im herkömmlichen Sinne handelte, stehen die dort begangenen Schreckenstaten den großen Lagern in Europa in nichts nach.  

Seit 2004 erinnert eine Gedenkstätte an die Geschichte des Ortes. Sie besteht unter anderem aus einer über sechzig Meter langen Wand, auf der zur Straße hin ein Leuchtschriftband mit unterschiedlichen Übersetzungen und Bedeutungen des indoeuropäischen Wortes „ghosti“ („HOSTAL HOSTILE HOTEL HOSTAGE GOSTIN OSTILE HOSTEL HOSTIL HOST“) auf die gegensätzliche Nutzung des ehemals beliebten Ausflugsziels aufmerksam machen soll. Auf der Rückseite der Betonwand finden sich Informationen über die Geschichte, Opfer und Täter des erweiterten Polizeigefängnisses. Auf dem hinter der Gedenkwand liegenden Gelände wurden in mehreren Bauabschnitten und bei den Workcamps die Standorte der Baracken sichtbar gemacht. 

Weitere Infos zur Geschichte des Gestapo-Lagers und zur Gedenkstätte findet ihr hier.

Initiative Neue Bremm

1998 gründete sich die Initiative Neue Bremm (Sprecher Dr. Kurt Bohr / Geschäftsführer Dr. Burkhard Jellonnek) als Zusammenschluss zunächst von einem Dutzend, später dann von gut zwanzig Bürger*innen und Institutionen, die sich der Gedenk- und Erinnerungsarbeit verpflichtet fühlen. Als Träger des Erinnerungsortes hat sich die Initiative Neue Bremm seither gemeinsam mit der Landeszentrale für politische Bildung des Saarlandes für die wissenschaftlich-pädagogische Arbeit mit Tagungen, Vorträgen, Führungen rund um die Gedenkstätte maßgeblich eingesetzt. Der Landesjugendring Saar ist Teil der Initiative Neue Bremm.

Historisches Museum Saar

Nachdem das Saarland nach der Volksabstimmung im Jahre 1935 zu Deutschland zurückkehrte, wurde das Saarbrücker Schloss zum Sitz der Gestapo ernannt. In den Kellergewölben des Nordflügels wurden kurz nach dem Einzug fünf Arrestzellen errichtet. Die ersten, die dort inhaftiert wurden, waren politische Gegner der Nazi-Diktatur: Sozialdemokraten, Kommunisten, Katholiken und Gewerkschafter. Später, von Anfang 1942 bis Ende 1944, wurden dort, wie auch auf der Neuen Bremm, vor allem ausländische Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion, Italien und Polen sowie Franzosen festgehalten. Eine der Zellen wurde im Rahmen von Restaurierungsarbeiten im Schloss im Jahre 1975 entdeckt und bildet heute den Mittelpunkt der ständigen Ausstellung zum 2. Weltkrieg im Historischen Museum Saar. 

Die Kombination von Gedenkort, kuratierter Ausstellung sowie der Möglichkeit, diese auch im Rahmen von Führungen zu erschließen, machen den Gedenkort „Historisches Museum Saar“ zu einer wichtigen Schnittstelle von Erinnerungsarbeit und Jugendvermittlung. 

Weitere Infos zum Historischen Museum und den Ausstellungen findet ihr hier.

 

Kontakt
Lisa Denneler

Projektleitung "Damit kein Gras drüber wächst"

Lisa Denneler

denneler(at)landesjugendring-saar.de 

Tel: 0681-63331 

Mobil: 01590-6846415

 

 

Das Projekt wird im Rahmen des Förderprogramms "Jugend erinnert" von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert.