Über 100 junge HelferInnen bei „Buddeln und Bilden" auf Saarbrücker Gedenkstätte

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Seit Jahrzehnten pflegen Jugendliche aus den Mitgliedsorganisationen des Landesjugendrings Saar die Gedenkstätte des ehemaligen Gestapo-Lagers "Neue Bremm" in Saarbrücken. Unter dem Motto „Buddeln und Bilden“ halfen am Samstag (5.Mai) über 100 junge TeilnehmerInnen mit, den Erinnerungsort in einem würdigen und anschaulichen Zustand zu erhalten und zu gestalten.

An den einzelnen Standorten der früheren Baracken des erweiterten Polizeigefängnisses der Gestapo bekamen die TeilnehmerInnen einen Eindruck davon, was es hieß, damals von den Nazis verfolgt zu werden. Die jungen HelferInnen kamen von der Jugendfeuerwehr, der THW-Jugend, der aej saar und der Geminschaftsschule Schiffweiler.

Sachkundige und zugleich verständliche Infos zu dem „Gestapo-Lager“ erhielten sie von 20 jungen Engagierten von der Uni Trier. Die Studierenden des Fachs Geschichte haben ein Konzept entwickelt, wie die Geschichte des Ortes während des Workcamps anschaulich vermittelt werden kann. Sie standen als „Scouts“ den gesamten Tag für Fragen und Diskussionen zur Verfügung. Darüber hinaus boten sie z.B. über Smartphones abrufbare Text-, Bild- und Audio-Informationen. Unterstützt wurden sie von Horst Bernard, der viele Gefangene des Gestapo-Lagers interviewt hat und seit Jahrzehnten Gruppen über die Gedenkstätte führt. Zudem kreierten TeilnehmerInnen eine Kunstinstallation mit Abdrücken von Händen die aus der Erde ragen. Sie stehen für das Leid der Häftlinge, die im Löschteich und auch in der Jauchegruppe des Gestapo-Lagers gequält und ermordet wurden.

Zudem wurden während des Workcamps neue junge Gedenkstätten-Scouts ausgebildet, die künftig sachkundig Gruppen über das ehemalige Gestapo-Lager informieren können, ausgebildet.

Landtagspräsident Stephan Toscani, die Saarbrücker Oberbürgermeisterin Charlotte Britz sowie die jugendpolitischen Sprecher Sebastian Thul (SPD-Fraktion), Alexander Zeyer (CDU-Fraktion) und Dennis Lander (Linke) besuchten die jungen Freiwilligen. Alle zeigten sich von den Pflegearbeiten und dem außergewöhnlichen außerschulischen Bildungsansatz beeindruckt.

Unterstützt wurde das Workcamp neben den Jugendverbänden von der Landeszentrale für politische Bildung, der Initiative Neue Bremm, dem Hotel Mercure, der Landeshauptstadt Saarbrücken und dem Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie.

 

Info Gestapo-Lager Neue Bremm
Die im Saarbrücker Schloss residierende Gestapo-Leitstelle Saarbrücken nutzte wegen der Überfüllung der Gefängnisse von Anfang 1943 bis Ende 1944 ein Barackenlager auf der Neuen Bremm als erweitertes Polizeigefängnis. Das mit Stacheldraht und Wachtürmen gesicherte Lagergelände, ca. 150 x 80 Meter groß, mit seinen im Karree angeordneten Gefangenenblocks, Funktionsgebäuden und Wachstuben und je einem in der Mitte des Männer- wie des Frauenlagers befindlichen Löschwasserbassin, lag an der stark frequentierten Straße ins französische Forbach. In der Neuen Bremm wurden sogenannte Arbeitserziehungshäftlinge, politische Gefangene, Transporthäftlinge vor der „Verschubung“ in ein Konzentrationslager, „Nacht-und-Nebel-Häftlinge“, Kriegsgefangene, Sippenhäftlinge, aus „rassischen“ Gründen Verfolgte und auch „Volksgenossen“ mit kurzfristigen Disziplinierungs- und Erziehungsstrafen interniert, insgesamt 20.000 Menschen an der Zahl.
Nach neuesten Forschungsergebnissen lag die durchschnittliche Belegung des Lagers bei 600-800 Gefangenen. Die Namen von 82 ermordeten Häftlingen sind bezeugt, die tatsächliche Zahl der Todesopfer dürfte aber beträchtlich höher gewesen sein.