PraktikerInnen wurden befragt

Welche Förderung braucht die Jugendarbeit?

„Was wir wirklich brauchen“: Unter dieser Fragestellung trafen sich am Freitagabend (10.8.) 14 PraktikerInnen aus der saarländischen Kinder- und Jugendarbeit in Saarbrücken in einem Workshop zur zeitgemäßen Förderung der Kinder- und Jugendarbeit. „Ob klassische Gruppentreffen, offene Jugendtreffs, erlebnisorientierte Fahrten oder andere Angebotsformen: Diese Teilnehmenden sorgen für zukunftsfähige und attraktive Jugendarbeit, ohne die Gemeinschaftserlebnisse und soziale Bildung für junge Menschen viel zu kurz kämen“ ist sich Georg Vogel, Geschäftsführer des Landesjugendrings Saar sicher. „Entscheidend ist nun“, so Erik Meisberger vom Vorstand des Landesjugendrings, „dass die Förderung durch das Land und die Kreise bei dieser ständigen Modernisierung der Formen und Inhalte Schritt hält und angepasst wird.“

Ganz oben standen für die Teilnehmenden nach wie vor die Vereinheitlichung der Zuschusskriterien und Fördersummen, sowie eine deutliche Entbürokratisierung bei der Antragstellung. Sieben unterschiedliche Richtlinien der Kreise und des Landes seien einfach zu viel und blockierten ehrenamtliches Engagement mit unnötigen Verwaltungstätigkeiten, so die einhellige Meinung. „Ich hoffe hier auf baldige erste Schritte des Sozialministeriums, das z.B. die Beantragung per E-Mail ermöglichen will“, berichtete Erik Meisberger aus Gesprächen mit der zuständigen Abteilung im Sozialministerium.

Aber die Bedarfe reichen weiter und machen grundlegende Reformen notwendig: Erwartet werden von den PraktikerInnen die Anerkennung niedrigschwelliger Gemeinschaftserlebnisse und offenerer sozialer Bildungsangebote. „Beim gemeinschaftlichen Pizza-Backen einer Jugendgruppe am Abend werden soziale Kompetenzen vermittelt, deren Bildungswert zurzeit – auch in der Förderung – nicht ausreichend anerkannt wird“, so eine der vielen Wortmeldungen zu diesem Thema.
Mindestens genauso wichtig seien die bessere Versorgung mit Raumangeboten sowie mehr Unterstützung in der Mobilität, damit sich Kinder und Jugendliche besser treffen können. Auch möchten die Verantwortlichen sich bei der Verpflegung und dem Materialverbrauch in Jugendarbeitsangeboten nachhaltiger und ökologischer verhalten. Dem stehen allerdings zu knappe Zuschüsse dafür oft entgegen. Gefordert wurden an dem Abend zudem eine ausreichende Sockelfinanzierung der Gruppierungen und Verbände, ausreichendes Personal, das neben der pädagogischen Kompetenz auch zum Beispiel auf rechtliches und betriebswirtschaftliches Knowhow zurückgreifen kann.

Erik Meisberger freute sich schließlich über die Vielfalt der Teilnehmenden: „Die Expertise und die Anregungen kamen heute von PraktikerInnen vor Ort sowie auf Landesebene, von Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen, von klassischen Jugendverbänden und neuen Gruppierungen, von Verantwortlichen mit und ohne Migrationshintergrund. Es tut gut zu beobachten, wie kreativ Jugendarbeit auf den gesellschaftlichen Wandel reagiert und sich ständig modernisiert. Wir haben ihnen deshalb versichert, dass wir die Anregungen des Workshops in unsere politische Lobbyarbeit einbringen und sie über den Diskussionsprozess auf dem Laufenden halten.“