

Die klassische Schnitzeljagd mit den neuen digitalen Medien verknüpfen und damit Bildung besonders spannend zu erleben: Das ist das neueste Produkt aus der Landesjugendring-Ideenwerkstatt, das wir auf dem Start-Event im Prähistorium Gondwana unter dem Namen "Grad-gefunden" präsentieren werden. Gemeinsam mit dem Jugendserver Saar, dem Jugendrotkreuz-Quierschied, der THW-Jugend Freisen, der Naju Saarland und der Geocaching-AG des Marie-Luise-Kaschnitz-Gymnasiums haben wir mit viel ehrenamtlichem Engagement und der finanziellen Unterstützung des saarländischen Sozialministeriums ein Projekt auf den Weg gebracht, das schon jetzt bundesweite Beachtung findet.
Vier Routen haben wir für eure Kinder- und Jugendgruppen ausgearbeitet, auf denen ihr die Schnitzeljagd 2.0 - also Geocaching mit Bildungsinhalten – ausprobieren könnt. Beim Startevent erfahrt ihr mehr über diese Jugendarbeitsmethode mit ihren pädagogischen und praktischen Komponenten. Begleiten werden uns dabei die Projektentwickler und der Neusaarländer und Wanderer Manuel Andrack.
Anschließend besteht die Möglichkeit, die Routen mit den jungen PlanerInnen auszuprobieren. Die Praxis kommt also an diesem Freitagnachmittag nicht zu kurz.
Neugierig?
Dann könnt ihr hier den Flyer runterladen.
Die Internetseite zum Projekt startet am 24. Mai.


Wer kennt sie nicht, die klassische Schnitzeljagd mit aus Astgabeln gelegten Pfeilen in freier Natur und versteckten Quizfragen, mit der man eine Jugendgruppe in der Gruppenstunde oder einem Zeltlager ein kurzweiliges gemeinsames Naturerlebnis verschaffen kann. Für junge Menschen hat heute allerdings die digitale und soziale Welt an Rechnern und in virtuellen Räumen eine viel stärkere Anziehungskraft. Zwei unvereinbare Milieus aus unterschiedlichsten Zeiten und Kontexten - könnte man meinen. Hier das Bild von Wandervogel-Nachkommen mit kurzen Hosen, Rucksack und Taschenmesser, dort die "Digital-Natives" an Netbooks und Smartphones in der Web 2.0-Welt von SMS, ICQ, Facebook und Skype.
Diese beiden Erlebnisräume unterschiedlichster Art passen zueinander? Schnitzeljagd und Web 2.0 können zusammen finden?
Kaum zu glauben, aber die Antwort lautet eindeutig ja. Denn schon seit einigen Jahren zeichnet sich auch in der Kinder- und Jugendarbeit ab: "Geocaching", die Weiterentwicklung der Schnitzeljagd mit digitalen Medien und Werkzeugen zur "Schnitzeljagd 2.0", greift um sich und bereichert die erlebnispädagogische Angebotspalette der Jugendarbeit enorm. Und damit nicht genug. Einige innovative PädagogInnen entwickelten Geocaching weiter zu einer Art "Educaching", also einer Schnitzeljagd 2.0 mit expliziten Bildungsinhalten.
Doch der Reihe nach:
Wie funktioniert Geocaching?
Geocaching ist eine moderne Form der Schnitzeljagd mit einem GPS-Gerät. Der Begriff "Geocaching" setzt sich zusammen aus dem griechischen Wort für Erde (Geo) und dem englischen Wort für geheimes Lager, Versteck: "Cache".
Für das Geocaching benötigt man ein GPS-Gerät oder ein Smartphone mit GPS-Empfänger und entsprechende Software sowie einen Zugang für eines der Geocaching-Portale im Internet. Erfunden wurde Geocaching im Jahr 2000 in den USA, als das amerikanische Militär die künstliche Signalverschlechterung der GPS-Satelliten aufhob und die Nutzung des "NAVSTAR GPS", des "Navigational Satellite Timing and Ranging - Global Positioning System" für jeden möglich machte. Die Empfänger der GPS- oder Navigationsgeräte fangen die Signale der GPS-Satelliten auf, diese teilen ständig über Funk ihre genaue Position und Uhrzeit mit. Zur Ortsbestimmung werden vier Satelliten benötigt. Mit Hilfe des Empfangsgeräts werden dann die vier Signallaufzeiten (von Satelliten zur Empfangsantenne) errechnet. Aus diesen wird dann die Position, Höhe und Empfängeruhrzeit ermittelt (1). So hat ein bestimmter Ort auf der Welt, z.B. eine Parkbank, feste Koordinaten. Hat man die Koordinaten der Parkbank, dann kann man sich mit Hilfe von GPS-Geräten oder Navigationsgeräten dorthin führen lassen.
Diese Möglichkeit macht sich das Geocaching zu Nutze. Der Amerikaner Dave Ulmer versteckte im Jahr 2000 einen Eimer mit Konservendosen, einem Videospiel und einem Notizblock, um die Funktion des GPS zu testen. Die dazugehörigen Koordinaten veröffentlichte er in einem Forum. Dies war die eigentliche Geburtsstunde des Geocaching. Ein Geocache kann z.B. eine wasserdichte Plastikdose mit einem Logbuch und Tauschgegenständen sein, eine Filmdose oder eine alte Munitionsbox. Vom Versteck des Geocaches werden die Koordinaten mit Hilfe eines GPS-Geräts ermittelt und auf Geocaching-Portalen im Internet veröffentlicht. Mit den Koordinaten des Caches sowie einem GPS-Gerät ausgestattet, geht man dann auf "Schnitzeljagd". Hat man den Cache gefunden, trägt man sich in das Logbuch ein und tauscht - wenn möglich - einen gleichwertigen Gegenstand. Den Fund des Caches trägt man auf der Geocaching-Internetseite, auf der der Cache veröffentlicht wurde, ein (bezeichnet wird dies als "loggen").
Und was will Educaching?
Educaching funktioniert wie das klassische Geocaching, d.h. man hat Koordinaten und mit Hilfe eines GPS-Gerätes sucht man nach einem Cache. Allerdings ist bei einem Educache mehr der Weg das Ziel.
Zusammengesetzt ist Educaching aus: "Edu" aus dem Englischen verkürzt und abgeleitet von "Education" und "caching" abgeleitet vom Geocaching – was man mit "Bildungsversteck" übersetzen könnte. Definiert werden kann Educaching als "Integration von Geocaching in Bildungsprozesse"(2) .
Der Begriff selbst ist geschützt, ein amerikanisches Unternehmen, das Unterrichtsmaterialien für Lehrer produziert, hat sich diesen Begriff gesichert.
Educaches führen an Orte, die etwas erzählen können oder beispielsweise eine geschichtliche, ökologische, soziale, politische Bedeutung haben.
Die Orte sind ein zentraler Aspekt und mit dort abgelegten und sich darauf beziehenden Caches "wird der Ort erfahrbar. Das kann auf der Basis von historischen Quellen, Bildern, Audio-Dateien u.v.m. geschehen. Sie sind mehr als das Ziel einer Schnitzeljagd. Wenn solche Orte ihre Geschichten an die FinderInnen weitergeben, dann können sie sich als Educache eignen." (3)
Educaches können natürlich auch Lerngegenstände oder -inhalte als Thema haben.
Der Cacher wird ohne Hilfe eines Pädagogen in einen Bildungs- und Lernprozess eingebunden. Die Beschäftigung mit dem Ort, seiner Geschichte und das aktive Auseinandersetzen damit macht diese Form der Wissensvermittlung interessant. Diese Form des Lernens setzt sich ab von klassischer Wissensvermittlung, die in Schulen oder auch außerschulischen Bildungseinrichtungen stattfindet.
Educaches lassen einerseits eine intensive Beschäftigung mit einem Thema zu, aber andererseits kann der Cacher selbst entscheiden, wie intensiv er sich mit dem Ort beschäftigen will. "...indem er/sie sich bis in einzelne Quellen hinein vertiefen oder einfach nur den Cache finden kann, ohne die Geschichte des Ortes rezipieren zu müssen"(4) .
Dies kann ohne die klassischen Bildungseinrichtungen funktionieren. Educaches können z.B. mit Begleitmaterial, historischen Dokumenten oder anderen Hintergrundinformationen erweitert werden. Das macht Educaches auch für Bildungseinrichtungen interessant, denn so können Lerninhalte ergänzt und erlebnisorientiert angereichert werden.
Welche Form ein Educache letzten Endes dann hat, ob es z.B. ein Multi-Cache (5), ein Stadtrundgang zu historischen Orten oder ein Earthcache (6) ist, liegt am Ort und den vorhandenen Möglichkeiten.
Und warum passen hier klassische Schnitzeljagd und Web 2.0 so gut zusammen?
Schon zu den Hochzeiten von Wandervogel und Co. war der Kompass ein faszinierendes Hilfsmittel für Querfeldein-Wanderungen und Schnitzeljagden. Die GPS-Technik verlagert digitale Erkundungen in die reale Welt - und das interessiert nicht nur den Autofahrer mit dem Navi, sondern auch jugendliche FußgängerInnen. Hinzu kommen Feedback-Möglichkeiten wie das Loggen und Kommentieren, die die Cache-Suche intelligent mit dem Internet verknüpfen und so die Potentiale der Web-2.0 Anwendungen nutzen um Gemeinschaften oder "Communities" schaffen. Man kann erfüllte Aufgaben und Erlebnisse teilen, genau das, was Digital Natives am Web 2.0 so schätzen.
"Grad-gefunden.de" - das Projekt des Landesjugendrings Saar
Es liegt also nahe, diesen Ansatz erlebnisorientierter Bildungsarbeit in einem Projekt zu bündeln, um weitere Praxiserfahrungen zu sammeln und der Jugendarbeit damit neue Anstöße zu geben. Derzeit arbeitet eine Projektgruppe des Landesjugendrings Saar mit drei Jugendverbandsgruppen und einer Schul-AG zusammen, um solche Educaches für Kinder- und Jugendgruppen zu legen. Dies sollen dann dauerhaft für andere Gruppen vorgehalten werden und über ein eigenes Internetportal abgerufen werden können. Ein Projektförderantrag beim zuständigen saarländischen Sozialministerium ist derzeit dazu in der Bearbeitung.
Mit den vier Gruppen werden die Kinder und Jugendlichen in den Projektprozess mit ihren Interessen sowohl bei der Themenwahl als auch in den Ablauf eines Caches eingebunden. Folgende Themen und Orte sind in Arbeit:
Wichtig sind derzeit Praxistests mit den beteiligten Gruppen. Dabei geht es insbesondere um:
Abrufbar werden diese Seiten über ein eigenes Internet-Portal, das derzeit in Kooperation mit dem Jugendserver-Saar entsteht. An diesem macht sich auch der kürzlich ausgewählte Projektnamen fest: "grad-gefunden.de". Dort meldet sich die interessierte Gruppe an und erhält als Download Begleitmaterial für die Gruppe und den/die JugendleiterIn. Dabei geht es sowohl um organisatorische und pädagogische Hinweise als auch um themenbezogenes vertiefendes Begleitmaterial.
Interessierte Gruppen erhalten auf dem Portal also alle notwendigen Informationen. Wenn sie den Cache gefunden haben, dokumentieren sie ihre Beteiligung schließlich dort.
Mittlerweile zeichnet sich ab, dass dieses Portal weitere Funktionen erfüllen wird. So soll ein ReferentInnenpool zum Thema angeboten werden, da die Nachfrage bzgl. Geo- und Educaching in der Jugendarbeit in den letzten Monaten sehr gestiegen ist. Ebenso sollen Tipps und Methoden für kurzzeitpädagogische Maßnahmen dazu aufbereitet werden.
Am 17. Juni 2011 starten dann die vier ersten Educaches mit einem zentralen Kick-Off, um grad-gefunden.de interessierten PädagogInnen zu präsentieren und der allgemeinen Öffentlichkeit bekannt zu machen.
Schon jetzt zeigen Anfragen von Gruppen und PädagogInnen ein großes Interesse oder einfach auch nur Neugierde, ob es gelingen kann, Bildungsprozesse mit digitalen Medien durch gemeinschaftliche Erlebnisse in Stadt- und Naturlandschaften zu vereinen. Die Projektgruppe jedenfalls ist zuversichtlich.
(1) Vgl. Wikipedia: "Globales Satellitensystem". Stand:22.03.2011, Abruf: 13.06 Uhr http://de.wikipedia.org/wiki/Globales_Navigationssatellitensystem
(2) Guido Brombach. Vom Geo- zum Educaching, Seite 2. Abrufbar im Internet. URL: http://www.dotcomblog.de/?page_id=228#axzz1HcHnBC3y Stand: 25.03.2011
(3) ebd., S.2
(4) ebd., S.3
(5) Bei dieser Form eines Caches ist der Cachebehälter nicht direkt an den Koordinaten versteckt, sondern man erhält die Zielkoordinaten des Verstecks durch das Abgehen von Stationen an denen man z.B. Rätsel lösen muss.
(6) An dieser Art von Cache liegt keine Dose, sondern es handelt sich meist um einen geologisch interessanten Punkt. Um einen Earthcache zu loggen, müssen meist ein paar Fragen beantwortet und ein Foto gemacht werden.


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